Eine weitere Reise nach Tansania liegt hinter uns. Doch kurz vor Abflug war noch völlig ungewiss, ob wir unsere Reise überhaupt antreten können. Die Präsidentschaftswahlen haben landesweit für Unruhen gesorgt und die Lage schien zweitweise so angespannt, dass die Entscheidung zum Abflug erst drei Tage vorab fiel. Erleichtert kamen wir dann vor gut drei Wochen in Tansania an. Von den Unruhen war vor Ort glücklicherweise kaum noch etwas zu merken, sichtbar war jedoch die deutlich erhöhte Präsenz von Polizei und Militär – ein für uns völlig ungewohntes Bild und bedrückendes Gefühl in einem sonst so friedlichen Land.
Doch die Stadt konnten wir auch dieses Mal schnell hinter uns lassen, es ging auf direktem Wege nach Losimingori an unsere Schule. In der Steppe angekommen wurden wir wie immer feierlich begrüßt von allen Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften – und es ist immer wieder ein Stück weit das Gefühl von »nach Hause« kommen.

So schön es auch war, wieder in Losimingori zu sein, so schnell wurde uns klar, dass die Trockenheit das Leben an der Return Home Secondary School seit einiger Zeit erschwerte. Die Steppe war trocken und staubig, während die Sonne vor allem am Nachmittag brannte. Alle Wassertanks auf dem Schulcampus waren leer – 570.000 Liter einfach leer. 
Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere Möglichkeiten zum Wasserspeichern gebaut und doch sind die Auswirkungen des Klimawandels, verschobene Regenzeiten, so deutlich spürbar. In der gesamten Woche regnete es lediglich zwei Mal für je 10 Minuten. Wortwörtlich nur die Tropfen auf dem heißen Stein… Und auch wenn in unserer zweiten Nacht ein Wassertruck kam, der immerhin einen Tank wieder füllte, beschränkte sich unser Wasserverbrauch in dieser Woche absolut nur auf das Nötigste. Wenn wir Bilder von unserem letzten Besuch mit der gegenwärtigen Situation vergleichen, wird das Ausmaß mehr als deutlich.

Schulgarten Mai 2024
Schulgarten November 2025
Wasserbecken Mai 2024
Wasserbecken November 2025

Direkt am Montag führten wir über 30 Interviews mit Kindern, die ab dem kommenden Schuljahr die Return Home Secondary School besuchen werden – eine Aufgabe, die wohl mit zu den ergreifendsten unserer Vereinsarbeit gehört. Selbst nach all den Jahren und all der Erfahrung ist es immer wieder berührend die unterschiedlichen Geschichten der Kinder zu hören und sie ein bisschen besser kennenzulernen.
Für viele Kinder ist die Patenschaft der einzige Weg überhaupt zur Schule zu gehen. Viele nehmen einen langen Weg auf sich, um bei uns in Losimingori sein zu können und für viele ist es die letzte Hoffnung. Kein Wort kann beschreiben, wie sich diese Gespräche mit den Kindern anfühlen. Bei manchen ist mehr Distanz zu spüren, manche sind von der ersten Sekunde offen und haben weniger Berührungsängste. Und manche Geschichten berühren das Herz ganz besonders. Am Ende ist es jedes einzelne noch so zaghafte Lächeln, die Erleichterung in den Augen der Kinder und vor allem die Dankbarkeit undWertschätzung, die Chance zu erhalten zur Schule gehen zu können. Das bestätigt uns immer wieder darin, dass das was wir tun sowas von richtig ist. Gemeinsam – PAMOJA – können wir so viel erreichen. Wir mit unserer Unterstützung als Pateneltern und die Kinder mit ihren Leistungen in der Schule, die ihnen den Weg in eine selbstbestimmte Zukunft ermöglichen.
Und in diesem Zusammenhang möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass auch im kommenden Schuljahr einige Schülerinnen und Schüler an der Return Home Secondary School noch keine Patenschaft haben und wir unbedingt Unterstützung benötigen! Alle Informationen sowie das Anmeldeformular findet Ihr hier.

Auch die darauffolgenden Tage waren voll mit weiteren Aufgaben und Besprechungen. Gemeinsam mit unseren Schulmanagern Rose und Wilson Lengima haben wir die Zeit genutzt und uns auch mal getraut darüber zu sprechen, wie es nach Beendigung der letzten Bauprojekte weitergehen soll. Die Return Home Secondary School scheint so gut wie fertig gebaut. Was kommt danach? So viel sei verraten: An Ideen mangelt es uns und unseren tansanischen Freunden nicht. 
Neben all den organisatorischen Angelegenheiten findet sich aber zum Glück auch immer Zeit, um zwischendurch in den Klassenräumen vorbeizuschauen und mit den Schülerinnen und Schülern zu sprechen. Und es sind genau diese unverhofften Momente, die ganz besonders in Erinnerung bleiben. Am Mittwoch kam der Friseur und schnitt bzw. rasierte allen Schülerinnen und Schüler die Haare. Ich war neugierig und setzte mich einfach zu den wartenden Mädchen auf den Boden. Mit dabei waren auch einige Mädchen der Pre Form 1, mit denen wir vor zwei Tagen noch die Interviews geführt haben. Plötzlich waren wir alle nicht mehr so schüchtern und haben einfach nur gequatscht. Auch ein paar Tage später gab es ein ebenso ungeplantes Get-Together. Mit den Mädchen der Form 2 setzte ich mich auf die Betten in der Unterkunft und wir haben uns zwei Stunden lang unterhalten.

Gemeinsam mit unseren beiden Volontärinnen, Ela und Emely, ging es gegen Ende unserer Reise noch für einen Tag in den Tarangire Nationalpark – ein kleines bisschen Urlaub neben der Arbeit in Losimingori. Und bei so einer Gelegenheit lernt man sich doch auch gleich viel besser kennen. Dass wir für eine so lange Zeit Unterstützung aus Deutschland an der Return Home Secondary School haben, ist ein großes Geschenk!
Auf unserer Safari begleitete uns auch ein ehemaliger Schüler. Er wird von unserem Verein bei seiner Ausbildung nach der Return Home Secondary School unterstützt und hilft mit an unserer Tankstelle am Highway. Von unserem Driver John, der ebenfalls ein guter Freund unseres Vereines ist, konnte Julius mit Sicherheit sehr viel lernen und auch wir haben von ihm den einen oder anderen Fakt zu den Tieren im Tarangire Nationalpark erhalten. Schön zu sehen, dass der Weg einiger Schülerinnen und Schüler nach Abschluss in Losimingori so erfolgreich weitergeht!

Nach einer ereignisreichen Woche in Losimingori ging es für uns am Wochenende wieder zurück nach Arusha. Dort trafen wir unsere Freunde vom Verein Hilfe für die Massai e. V., Sarah und Dirk. Doch wo wir uns treffen sollten, wollten wir zunächst gar nicht glauben – ein richtiger Weihnachtsmarkt in Arusha. Das war wild! Last Christmas Mitte November bei 30 Grad in Tansania, das kann man sich in den abgefahrensten Träumen nicht vorstellen. Nach dem Weihnachtsmarkt nutzen wir die letzte gemeinsame Zeit mit Wilson, erledigten die allerletzten Aufgaben in der Stadt und beendeten die Reise mit einem gemeinsamen Abendessen in unserem Lieblingsrestaurant in Arusha.

Avatar von Philine Burmeister
Posted by:Philine Burmeister

Hinterlasse einen Kommentar