Neben mir, Achim Ehlert, sitzt Wilson am Lenkrad des Landcruisers, der in den letzten Tagen die 500.000 km Laufleistung überschritt. Wie so oft in den letzten viereinhalb Wochen fährt er mich sicher zum Kilimandscharo Airport, auch wenn er nebenbei Anrufe tätigt oder beantwortet, natürlich ohne Freisprecheinrichtung. Als Begleitung für die Rückfahrt hat er kurzer Hand einen guten Massai Freund aus Arusha am Straßenrand eingeladen, der ihn beim Fahren wach hält. Sein Wecker hat auch an diesem Morgen um 04.30 Uhr geklingelt und er wird nicht vor 21:30 Uhr zurück in Arusha sein. Die Weiterfahrt bis nach Losimingori zur Schule wäre ein zu großes Risiko. Wilson ist nicht nur verantwortlich für das gesamte Schulprojekt der Return Home Secondary School. Er ist auch Ehemann und ein wundervoller Vater von vier Kindern. Ich hatte das Glück, das alles in einem gewissen Maß miterleben zu dürfen. Für mich war dies das Bemerkenswerteste der Reise.


In meinem Vorbericht von Mitte Februar schrieb ich von den Vorhaben und Erwartungen. Meine Frau Kerstin schilderte im letzten Newsletter ausführlich den ersten Teil der Reise. Ich möchte das um einige Eindrücke des Schulalltages und der Entwicklung des Themas Wartung und Instandhaltung ergänzen.
Die Schülerinnen und Schüler beginnen den Tag meist schon zwei Stunden vor Sonnenaufgang und ab 06:00 Uhr sind die Ersten in den Klassenräumen. Manchmal ist Gesang zu hören, der vor allem abends vom Bergwind über den Schulcampus getragen wird. Erst gegen 22:00 Uhr verlassen die Letzten die Klassenräume oder den Essensaal und begeben sich zur Nachtruhe in die Internatsgebäude. Zweimal wöchentlich gleich nach Sonnenaufgang treffen sich alle auf dem Appellplatz zu einem morgendlichen Lauf, wieder mit Gesang. Eine sehr angenehme Stimmung, die im gesamten Tagesablauf zu spüren ist. Besonders ausgelassen sind die Mädchen und Jungen, wenn im Essensaal gefeiert wird. Zufällig bin ich in die „Willkommens-Feier“ der Form 1 geraten, also die Begrüßung der Neuankömmlinge vom Januar. Da haben die älteren Jahrgänge ihr ganzes tänzerisches und sängerisches Können gezeigt. Als dann zum Ende hin noch die Lehrer mitmachten, tobte der ganze Saal. Ähnliches bot sich mir noch mehrmals, als die 20 Schüler und 5 Lehrer aus Dänemark für eine Woche zu Gast waren. Das war eine echte Bereicherung für beide Seiten und jede Menge Spaß für alle.

Emanuel heißt der neue, junge Schulhandwerker, der mich vom ersten Tag an mit seinem Handeln überzeugte und ein gutes Englisch spricht. Die ersten Tage reparierte er vorwiegend Stühle, aber auch einige Tische aus den Klassenräumen. Zwischendurch haben wir Schranktüren wieder verschließbar gemacht, den Werkzeug- und Ersatzteilbestand gesichtet, Feuerholz für die Schulküche gehackt (war mehr Spaß für mich), die Checkliste gesichtet und eine Einkaufsliste geschrieben.
Dann mit allen Beteiligten die Größe des Regals für das Lebensmittellager bestimmt, gezeichnet, den Materialbedarf ermittelt und auch das auf die Einkaufsliste gesetzt.

Nach dem Einkauf dauerte es eineinhalb Tage und das Stahlgestell war fertig geschweißt, geschliffen und der erste Rostschutzanstrich drauf – alle waren begeistert. Die Einweihung fand etwas später statt, da das Sperrholz für die Einlegeböden erst noch in Arusha gefunden werden mußte – einen gut sortierten Baumarkt gibt es dort (noch) nicht. Da das Gesellenstück super gelungen war, folgte gleich der Bau eines Schrankes für die Sportkleidung und -gerätschaften. Neben der Matron, die für das Lebensmittellager der Küche verantwortlich ist, konnten wir somit auch den Sportlehrer erfreuen.
Immer aktuell bleiben die Instandhaltung von Fenster und Türen aller Gebäude sowie das gesamte Wassermanagment, angefangen bei den Regenrinnen, den Tanks bis hin zur modernen Filteranlage zur Trinkwasseraufbereitung. Gemeinsam ist der richtige Weg zur Erhaltung des Aufgebauten gewählt worden und mit Emanuel haben Rose und Wilson eine sehr gute Wahl getroffen.
Auf dem Weg zum Flughafen ist mir mehr denn je bewußt geworden, wie viel wir voneinander lernen. Besonders dafür geeignet waren die morgend- oder abendlichen Wanderungen in der Steppe rund um die Schule – mit Wilson und ohne Smartphone. Und ich möchte noch mehr lernen.
