Im vergangenen Monat waren unsere Schulmanager Rose und Wilson gemeinsam mit ihrer Tochter Itiya zu Besuch in Deutschland. Die ersten Tage verbrachten sie bei Vorstandsmitglied Philine in Lübeck bevor es weiter ging zu Achim und Kerstin nach Neubrandenburg. Die letzte Woche in Deutschland waren die drei zu Besuch bei Vorstandsvorstitzenden Matthias. Das waren zweieinhalb ereignisreiche Wochen für uns alle. Und teilweise haben selbst wir Deutschland mit ganz anderen Augen gesehen.
Der Beginn in Deutschland war stürmisch. Bei Ankunft in Lübeck wehte der Wind nur so umher, dass wir den ersten Abend gemütlich zu Hause verbrachten. Es gab vieles zu erzählen, vor allem für Rose und Itiya waren es viele neue Eindrücke – sie waren noch nie zuvor in Europa, geschweige denn außerhalb Afrikas. Dass es hier bei uns im Sommer so lange hell ist, konnten die beiden bis zum Ende ihres Aufenthaltes nicht so recht glauben. Immer wieder fragten sie, warum wir so früh zu Abendessen würden, es sei doch erst Nachmittag.
Am ersten vollen Tag besuchten wir gemeinsam Philines 95-jährigen Großvater – eine ganz besondere Begegnung. Zwar war die Verständigung nicht ohne Übersetzung möglich, aber manchmal braucht es keine Wort, um einander zu verstehen.




Die nächsten Tage ging es dann um die Vereinsarbeit. Je in Lübeck und Hamburg waren Info-Veranstaltungen geplant. Während Philine ihrer eigentlichen Arbeit im Festivalbüro nachging, bereiteten Rose, Wilson und Itiya zu Hause alles vor. Sie kochten Ugali und Sukuma Wiki und frittierten Madazi. Wir zogen uns alle traditionell mit Massai-Kleidung an und machten uns auf den Weg. An den Veranstaltungsorten angekommen bauten wir alles auf, gingen unseren Vortrag ein letztes Mal durch und warteten auf Gäste. Auch wenn wir in kleineren Runden blieben, waren es zwei großartige Abende! Gemeinsam haben wir gesungen und getanzt, wir haben von der Return Home Secondary School in Losimingori erzählt und vom Leben der Massai in der Steppe. Viele Fragen wurden beantwortet, viele Gespräche geführt – na und die tansanischen Spezialitäten kamen supergut an.








Und so schnell waren die gemeinsamen Tage wieder vorbei und es ging für Rose, Wilson und Itiya weiter nach Neubrandenburg. Der Aufenthalt in Neubrandenburg begann mit dem Besuch einer Kirche, wo unsere Gäste ein kleines Orgelkonzert erleben konnten. Am Abend folgte ein Grillabend bei Familie Heinrich und Vorstandsmitglied Marion.
Am folgenden Tag besuchten Rose und Wilson eine zweite Klasse der Grundschule Süd. Die Kinder begegneten ihren Gästen mit großer Offenheit und Neugier. Fragen wie „Warum ist deine Haut schwarz?“ oder „Warum hast du so große Löcher in den Ohrläppchen?“ führten zu lebhaften Gesprächen. Einige Kinder wollten sogar die Ohrläppchen berühren oder die traditionellen Maasai-Sandalen anprobieren. Besonders spannend fanden die Schülerinnen und Schüler Wilsons Erzählungen über die Traditionen der Maasai. Gebannt lauschten sie seinen Berichten über das Leben junger Krieger und die Geschichte von Löwen, die früher eine Gefahr für die Gemeinschaft darstellten. Ein gemeinsames Singen und Tanzen zu „Jambo“ sorgte für viel Freude und Begeisterung.
Nach einer kurzen Stadtbesichtigung stand am Abend ein Treffen mit Freunden, Unterstützenden und Patinnen und Paten auf dem Programm. In persönlicher Atmosphäre entstanden viele interessante Gespräche und wertvolle Begegnungen.




Am letzten Tag in Neubrandenburg besuchten Rose und Wilson eine sechste Klasse am Albert-Einstein-Gymnasium sowie ein Altenheim. Auch hier nutzten sie die Gelegenheit, von ihrer Kindheit, ihrem Bildungsweg und dem Leben der Maasai zu berichten. Für Rose war besonders interessant, die Ausstattung deutscher Schulen kennenzulernen. Die Vielzahl an Unterrichtsmaterialien sowie die gut ausgestatteten Fach- und Vorbereitungsräume hinterließen einen bleibenden Eindruck. Ebenso beeindruckte sie der Umgang mit Sauberkeit und Müllentsorgung. Dass an öffentlichen Plätzen, in Verkehrsmitteln und Privathaushalten überall Möglichkeiten zur Mülltrennung und Entsorgung vorhanden sind, war für sie bemerkenswert und wird sicherlich Anregungen für ihre tägliche Arbeit mit nach Tansania nehmen.
Ein weiteres prägendes Erlebnis war die Helligkeit der langen Sommertage. Während in Tansania Sonnenaufgang und Sonnenuntergang das ganze Jahr über nahezu gleich bleiben, erlebten unsere Gäste hier die längsten Tage des Jahres. Oft mussten sie zur Uhr greifen, um die Tageszeit einzuschätzen.
Nach einigen Tagen in Neubrandenburg ging es weiter Richtung Berlin zu unserem Vereinsvorsitzenden Matthias Görlitz. Gleich zu Beginn stand ein Besuch im Anschluss an unsere Mitgliederversammlung an. Hier trafen Rose, Wilson und Itiya auf Vereinsmitglieder und Unterstützende. Ein toller Anlass für einen intensiven Austausch. Diese herzlichen Kontakte vermittelten unseren Gästen direkt einen authentischen Eindruck vom Leben in Deutschland und stärkten gleichzeitig die Verbindungen untereinander.
Natürlich durfte auch das Kennenlernen Berliner Sehenswürdigkeiten nicht fehlen. Gemeinsam besuchten wir den Berliner Fernsehturm, das Brandenburger Tor und unsere Parlamentsgebäude.







Der Besuch der Familie Lengima hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll persönliche Begegnungen für eine lebendige Partnerschaft sind. Sie schaffen Vertrauen, fördern das gegenseitige Verständnis und geben unserer gemeinsamen Arbeit neue Impulse. Mit vielen schönen Erinnerungen und neuer Motivation blicken wir nun auf die kommenden gemeinsamen Projekte.